Sind Fasten & Beten alte christliche Traditionen oder der einzige Weg, Gott umzustimmen? Weder noch.
Wenn sich die schlimmen Nachrichten häufen und die Hilflosigkeit zunimmt, was dann? "Da hilft nur noch beten!", ein altes Sprichwort oder ganz viel Wahrheit?
Als sich die schlimmen Nachrichten häuften, als wir aus den Ferien zurückkamen, konnte ich weder fasten noch beten. In einem Moment scheint alles "normal" und im nächsten ist alles anders. Oder es kommt schleichend, wie in meinem Umfeld. Ist es nur "ein schlechter Tag"? Wird es wieder besser? Könnten andere medizinische Gründe zu Grunde liegen, als die schlimmste Diagnose, die ich befürchte?
Photo by James Forbes / Unsplash
Ich war tief betroffen und musste innehalten. Das Kopfkino war in vollem Gange, Fachwissen und über zwanzig Jahre arbeiten im Spital auf der Intensivstation, da kommt ganz viel Material zusammen, für ein gutes und detailliertes Kopfkino.
Ich bin ja nicht nur in meiner Rolle als "Ips-Schwester" unterwegs, auch als Tochter, Mutter, Freundin und Pastorin. Ich trage mehrere Hüte. Das ist eine Bereicherung, die Grenzen sind oft fliessend und die verschiedenen Rollen reichen sich oft die Hand, stützen sich gegenseitig oder sind so verwoben, dass es kaum Grenzen gibt. Ich bin halt "vom Fach". Das bin ich gerne. Meistens jedenfalls. Antworten auf alles habe ich nicht. Trauer kann ich nicht schönreden. Ich muss nicht alles lösen, darf Verantwortung übernehmen und auch Grenzen ziehen. Kräfte einteilen. Innehalten. Selber weinen über die herausfordernden Situationen. Meiner eigenen Trauer Raum schaffen.
Hilflosigkeit und es "nicht verstehen können" sind ganz unschöne Gefühle. Alles "schönreden" ist so gar nicht mein Ding. Ich bin gut im "Worst Case Scenario"-Denken und gut, im "in Aktion treten", Lösungen suchen und finden. Und es gibt Situationen, die gilt es auszuhalten. Es ist immer eine Chance, eine Standortbestimmung zu machen und sich zu fragen: Herr, was nun?
Photo by Jeremy Yap / Unsplash
Da kam der Impuls, dass wir als Kaleo Kirche fasten & beten können. Und wir können unsere Freunde zu Jesus bringen, wie die vier Freunde im Markus- Evangelium. Der Raum war so voll, sie konnten ihren lahmen Freund nicht zu Jesus bringen, also haben sie das Dach abgedeckt und ihren Freund so zu Jesus gebracht. Kreative Lösungen! Das ermutigt mich!
Immer wieder alles zu Jesus bringen. Auch die Spannungen, in denen wir drinstehen. Wird Gott heilen? Was, wenn nicht? Was, wenn erst im Himmel? Wenn jemand von der Heilung überzeugt ist und der nächste lieber seine Zweifel verbirgt und darunter leidet - da stehen wir in Spannungsfeldern, die wir nicht auflösen können. Und auch nicht auflösen sollen. Wir können uns auch gegenseitig tragen, ermutigen und stärken. Schwachheit zulassen lernen. Echt sein. Nicht fromm.
Das ist Kirche. Menschen, die gemeinsam Jesus nachfolgen, für ihre Freunde beten und nun auch fasten, das tun, was die Bibel uns sagt, was unser Part ist. Heilen kann nur Gott. Kein Mensch, keine Kirche.
Gott hat das letzte Wort. Punkt. Er ist Herr über Leben und Tod. Er hat einen Plan.
Photo by Melissa Askew / Unsplash
Biblische Grundlage des Fastens
Nach der biblischen Definition ist Fasten das freiwillige Verzichten auf Nahrung aus geistlichen Gründen.
Jesus sagt, wir werden fasten (Matthäus 9,15) und in der Bergpredigt priorisiert er Fasten gleich wie Geben und Beten (Matthäus 6,3: wenn du aber gibst; 6,6: wenn du aber betest; 6,17: wenn du aber fastest).
Fasten ändert nicht Gott, sondern mich: Häufig wird Fasten missverstanden als die “Erpressung von Gott”.
Er müsse jetzt handeln, wenn ich Gott durch Fasten zeige, wie wichtig mir etwas ist. Wir fasten aber nicht, um von Gott zu bekommen, oder seine Meinung zu ändern, sondern um unseren Willen Gottes Willen unterzuordnen und damit zu verstehen, dass wir in ihm schon alles haben.
Fasten ändert daher mich, meine Einstellung, mein Bild von Gott, mein Bewusstsein von Autorität, mein Bewusstsein für meine Identität als Kind Gottes und daraus kommt Veränderung.
Fasten treibt den Unglauben aus: Wenn Jesus seinen Jüngern in Markus 9,29 erklärt: "Diese Art kann durch nichts ausfahren, ausser durch Gebet und Fasten," dann bezieht er sich auf den Unglauben. Kurz vorher sagt Jesus in Vers 23: "Alles ist möglich dem, der glaubt!"
Beim Fasten und Gebet wird der Glaube so stark, dass Unglaube geht und so kommt die Befähigung.
König David fastete beim Gebet für Kranke: Wenn einer von ihnen schwer krank war, zog ich Trauerkleidung an, fastete für ihn und betete mit gesenktem Kopf. Psalm 35,13
David zog sich zurück, um für seinen Sohn zu beten. Er fastete tagelang und schlief nachts auf dem Fussboden. 2.Samuel 12,16
Ein Fasten, dass Gott gefällt, ist mit einer Verheissung verbunden: Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird rasche Fortschritte machen; deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deine Nachhut sein! Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten; du wirst schreien, und er wird sagen: Hier bin ich! Jesaja 58,8-9.