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Heute schon ausgemistet?

Joanna Hunziker-Merk Joanna Hunziker-Merk

Die Grundreinigung bei einem Umzug bringt so manch einen an die Grenzen. So auch Ruth, die so ehrlich und direkt darüber gesprochen hat am Sonntag. Es ging nicht nur um das ultragenaue Reinigen der Wohnung, sondern um das eigene Herz, das auch immer wieder mal geputzt und ausgemistet werden darf!

Umzug bedeutet Kisten packen, ausmisten, sortieren, mit Erinnerungen kämpfen, die vergessen schienen. Es ist anstrengend, es ist schmerzhaft. Es ist auch befreiend, wenn es gelingt und durchgestanden ist.

In diesen natürlichen und schwierigen Umständen kann und will Gott zu uns sprechen. Dies tat er bei Ruth und es war so ermutigend zu hören, welchen Weg sie mit Gott gegangen ist.

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Photo by Alicia Christin Gerald / Unsplash

David betet in Psalm 51:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Und wie funktioniert das? Durch putzen, ausmisten und sich entscheiden, immer wieder zu vergeben. Den Groll loszulassen, Verletzungen bewusst zu vergeben und sich von Gott neu füllen zu lassen. Tönt einfach, ist es aber nicht.

Groll

Was tue ich, wenn das Leben mir schmerzhafte Veränderungen aufzwingt? Wenn Pläne durchkreuzt werden? Wenn ich mich in einer Phase des Umbruchs wiederfinde, die ich mir so nie ausgesucht hätte? Sehr oft schleicht sich eine brodelnde Unzufriedenheit ein. Und wenn ich tiefer grabe, stosse ich auf die wichtigste Emotion, die das Ganze antreibt: Es ist der Groll. Groll ist dieser tief sitzende, anhaltende Ärger über eine erlittene Ungerechtigkeit. Es ist die bittere Wut, die in mir kocht, weil mir Unrecht getan wurde.

Die moderne Psychologie zeigt mir hier eine faszinierende und zugleich erschreckende Dynamik: Dieser Groll entsteht anfangs oft als ein unbewusster Schutzversuch meiner Psyche. Groll gibt mir eine Illusion von Kontrolle. Ich gebe dem Gegenüber gedanklich die Schuld, weil sich diese heisse Wut im ersten Moment mächtiger anfühlt, als sich der eigenen Verletzlichkeit und dem Schmerz zu stellen.
Mein Verstand verlangt nach Ausgleich. Groll ist wie schweres, giftiges Gerümpel, das ich fest verpacke und unbemerkt mitschleppe. Ich lagere darin alte Verletzungen und den emotionalen Müll der Vergangenheit. Ich schleppe Kisten mit der Aufschrift „Was mir damals angetan wurde“ oder „Wer mich damals enttäuscht hat“ von einem Lebensabschnitt in den nächsten. Und ich merke nicht, wie mir diese grundlegende Emotion die Luft zum Atmen nimmt.

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Photo by Richard Wang / Unsplash

Die Bibel warnt mich in Hebräer 12,15 ganz eindringlich:

Achtet darauf, dass niemand die Gnade Gottes versäumt; dass nicht irgendeine bittere Wurzel aufwachse und Unheil anrichte und viele durch
sie verunreinigt werden!

Bitterkeit

Wir sind gut darin, unsere Wohnung zu putzen, Kisten zu packen oder Dinge sachgerecht zu entsorgen. Tun wir dies auch mit den Dingen, die in unserem Herzen sind?

Wenn dieser Groll nicht sofort ans Licht gebracht wird, bleibt er nicht folgenlos. Aus dem chronischen Groll und der konkreten Entscheidung zur Unvergebung erwächst unweigerlich der Zustand der tiefen Bitterkeit – und die direkte Folge davon ist die absolute Herzensverhärtung.

Hier gerate ich in einen zerstörerischen Teufelskreis. Die psychologische Forschung nennt das „emotionales Wiederkäuen“ (gedankliches Kreisen). Wenn ich grolle, spiele ich die verletzende Situation immer wieder in einer Endlosschleife ab. Mein Gefühlszentrum kann zwischen der echten vergangenen Situation und der blossen gedanklichen Wiederholung nicht unterscheiden. Bei jedem bitteren Gedanken wird die Stressreaktion im Körper neu ausgelöst.

Ein bekanntes Zitat bringt es auf den Punkt: Chronischer Groll und Bitterkeit sind wie das Trinken von Gift, in der Hoffnung, dass der andere daran stirbt. Medizin und Psychologie zeigen mir heute ganz klar die psychosomatischen Folgen dieser Verhärtung: Sie gilt als einer der grössten Stressfaktoren für Körper und Seele. Psychisch erhöht sie das Risiko für Depressionen und chronische Verbitterung. Physisch führt der dauerhaft erhöhte Stressspiegel zu Bluthochdruck und einem geschwächten Immunsystem. Mein Körper bezahlt den Preis für die Bitterkeit meiner Seele!

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Photo by Júnior Ferreira / Unsplash

Gottes Handeln

Wenn ich mitten im Alltag den Dreck sehe, die alten Kisten anfasse und die zerstörerische Kette aus Groll, Unvergebung, Bitterkeit und der inneren Verhärtung in mir spüre, darf ich innerlich zu Gott schreien. Der Geist Gottes leitet mich dann zu dem berühmten Gebet von König David.

David wusste, was es heisst, wenn aus Groll Sünde wird und das Herz vollkommen versteinert. Er kannte diese eiskalte Verhärtung. Aber er flüchtete sich nicht in Ausreden. Er betete in Psalm 51,12:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Dieses Wort hat im hebräischen Urtext eine Kraft, die ich im Deutschen oft übersehe. Für das Wort „schaffen“ steht dort das Wort „Bara“. Dieses Wort Bara wird im Alten Testament ausschliesslich für Gottes Handeln verwendet. Kein Mensch kann „Bara“. Ein Handwerker kann eine Wohnung renovieren. Aber Bara bedeutet: Etwas völlig Neues aus dem Nichts erschaffen! Es ist dasselbe Wort,
das in Genesis 1,1 steht:

Am Anfang schuf (bara) Gott Himmel und Erde.

Verstehe ich, was das für meine Situation bedeutet? Wenn ich durch die Last von Groll und Bitterkeit müde, starr und kalt geworden bin, dann nützt es nichts, wenn ich mir vornehme: „Ich muss mich jetzt einfach mal zusammenreissen.“ Willenskraft kann eine tief sitzende Bitterkeit nicht auslöschen. Meine
eigene menschliche Anstrengung kann ein verhärtetes Herz nicht wieder weich klopfen. Ich brauche kein oberflächliches Sortieren. Ich brauche eine Neuschöpfung! Ich brauche das kreative Machtwort Gottes, der Platz schafft, indem er den Groll wegräumt und die starren Mauern einreisst.

David betet um ein „reines Herz“ – auf Hebräisch „Lev Tahor“. Ein reines Herz ist ein ungeteiltes, radikal ausgemistetes Herz. Ein Herz, das bei der Übergabe an Gott keine verschlossenen, verhärteten Räume hat, auf denen steht: „Zutritt verboten – hier lagert meine Bitterkeit.“ Gott überlässt mir die Putzhandschuhe nicht allein. Er will das ganze Haus. Er will meine absolute Übergabe.

Herztransplantation

Und jetzt kommt die gewaltige Nachricht. Wenn ich als Einzelner rufe: „Herr, Bara! Befreie mich von diesem Groll, brich diese Unvergebung auf und heile meine Bitterkeit!“, dann bleibt Gott nicht still.

Gott verspricht in Hesekiel 36,26:

Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch
geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.

Das ist das Versprechen, das ich heute brauche! Gott sagt nicht: „Ich werde euer verhärtetes, bitteres Herz ein bisschen abschleifen.“ Nein! Er führt eine Herztransplantation durch! Er nimmt das steinerne, kalte, durch Bitterkeit verkrustete Herz weg. Das Herz, das sich durch den Schmerz von Abschieden oder Enttäuschungen wie zu Stein verwandelt hat. Und er setzt ein fleischernes Herz ein. Ein Herz, das frei ist von altem Groll. Ein weiches Herz, das wieder Platz hat für Zukunftsvisionen, das wieder neu lieben kann und das bereit ist, leidenschaftlich mitzugehen mit dem, was Gott jetzt tut!

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Photo by Nik / Unsplash

Täglicher Unterhalt

Wie schütze ich mein Herz vor der Kette aus Groll, Unvergebung, Bitterkeit und Verhärtung? Hier sind drei Schritte:

Schritt 1:
Die eigentliche Emotion beim Namen nennen (Die Diagnose)

Hören wir auf, unseren Frust zu rechtfertigen. Wenn Gott mich fragt: „Wo ist deine Freude?“, ist meine erste Reaktion oft Sarkasmus: „Soll ich noch dazu tanzen?“ Warum? Weil Sarkasmus das perfekte Schutzschild ist, um den brodelnden Groll im Herzen nicht eingestehen zu müssen. Erst wenn ich den Sarkasmus ablege und die Kisten öffne, kann Reinigung beginnen. Sag zu Gott: „Ja, Herr, hier ist dieser tiefe Groll über das, was passiert ist. Hier ist meine Wut.“ Erst wenn ich ehrlich werde, kann Gottes Reinigung beginnen.

Schritt 2:
Den Schritt der Unvergebung widerrufen (Das Übergeben)

Die Psychologie unterscheidet strikt zwischen Entschuldigen – also eine Tat für okay zu befinden – und Vergeben. Vergeben heisst: den Groll aktiv loslassen für die eigene psychische Freiheit. Es ist eine bewusste Entscheidung, das Beharren auf der Unvergebung am Kreuz abzugeben. Damit durchbreche ich das Fundament der Bitterkeit und verhindere, dass mein Herz zu Stein wird.

Schmeiss das alte Gerümpel weg. Übergib Gott den Schlüssel. Sag zu Jesus: „Ich schaffe es aus eigener Kraft nicht, diese Bitterkeit aufzubrechen. Hier ist der Schlüssel. Ich lasse das Gestern los und vertraue dir.“

Schritt 3:
Die tägliche Unterhaltsreinigung (Der beständige Geist)

David betet um einen „beständigen Geist“. Warum? Weil auf dem Weg in einen Neuanfang jeden Tag neuer Staub aufgewirbelt wird! Lass den Staub nicht verkrusten, damit daraus nicht wieder neuer Groll ansetzt, der zur nächsten Bitterkeit führt. Reinige dein Herz jeden Abend im Gebet. Tragen wir einander! Richten wir Schutzmauern des Gebets um uns auf, statt Zäune der
Kritik. Es ist geistlich und psychologisch absolut unmöglich, bitter, unversöhnt oder verhärtet gegen eine Dynamik zu sein, für die man täglich segnend vor dem Thron Gottes eintritt!

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Photo by apricity / Unsplash

Neue Tür

Ungewollte Umzüge im Leben sind manchmal unvermeidlich. Die Kisten müssen gepackt werden. Aber die entscheidende Frage, die Gott mir stellt, lautet: Mit welcher Herzenshaltung gehe ich durch die neue Tür? Gehe ich beladen mit schweren Kisten voller Groll und Unvergebung, die mich in die Bitterkeit treiben
und mein Herz verhärten lassen? Oder gehe ich radikal ausgemistet, befreit, leicht, mit einem reinen, weichen Fleischherzen, bereit für das, was Gott jetzt
vorbereitet hat?

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Heute schon ausgemistet?
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