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Zurück zur ersten Liebe

Lukas Lukas

Neustart, Umkehr und Busse. Das ist jetzt nicht gerade das Thema Nummer eins, wenn es um Freude geht. Wenn mich jemand bitten würde: «Kannst du die Menschen etwas aufheitern?», würde ich kaum mit den Worten antworten: «Kehrt um, ihr Sünder!»

Wir verbinden mit Umkehr und Busse vielleicht die Flagellantenbewegung im 13. und 14. Jahrhundert. Sie versuchten, Gottes Zorn, den sie im Wüten der Pest erkannten, durch Selbstgeisselung abzuwenden. Durch ihre Reue wollten sie Gott gnädig stimmen. Vielleicht denken wir an den Beichtstuhl: Er steht für das geheime Offenbaren der Sünden, doch eigentlich ist der Gang in den Kasten bereits ziemlich exponierend. Oder wir denken an Vertreter der amerikanischen Westboro Baptist Church, die mit Plakaten wie «Turn or Burn» (dt. «Kehre um oder brenne») für Umkehr werben.

Busse und Freude – ein Widerspruch?

Aber auch wenn du diese Dinge ablehnst: In der Bibel wird immer wieder sichtbar, dass Busse und Umkehr ernsthafte Angelegenheiten sind. Lukas 13,5 macht deutlich: Wenn du nicht umkehrst, wirst du umkommen. Busse ist also ernst und notwendig in meinem und deinem Leben. Dann einfach zu sagen: «Ja, easy. Alles gut, Gott ist ja Liebe und vergibt mir.» Naja, irgendwie geht das auch nicht.

Was machen wir damit? Einerseits ist es ein schweres Thema, andererseits können wir die Bedeutung von Busse nicht wegreden. Doch C. S. Lewis hat einmal die These aufgestellt: «Die Freude ist eine ernst zu nehmende Angelegenheit des Himmels.» Wenn er recht hat, mag Busse dem Himmel ganz wichtig sein, doch Freude ist es auch. Dann stellt sich für mich die Frage: Gibt es so etwas wie eine freudige Perspektive auf Umkehr und Busse?

Die Rückkehr der Freude

In Psalm 51, diesem berühmten Busspsalm Davids, spüren wir die Ernsthaftigkeit von David, nachdem er schwere Schuld auf sich geladen hat.

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und erneuere in mir einen festen Geist! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und den Geist deiner Heiligkeit nimm nicht von mir! Lass mir wiederkehren die Freude deines Heils, und stütze mich mit einem willigen Geist!

In dieser ganzen Ernsthaftigkeit bittet David Gott um etwas Bemerkenswertes: «Lass mir wiederkehren die Freude deines Heils, und stütze mich mit einem willigen Geist!» David bittet Gott nicht nur um Vergebung und Wiederherstellung, sondern auch um Freude. Bei näherer Betrachtung entfaltet sich das Geheimnis dieses Verses.

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1. Lass mir wiederkehren die Freude...

Die Elberfelder Bibel übersetzt hier das Verb schuv relativ nahe an seiner Grundbedeutung. Es bedeutet umkehren, zurückkehren, abwenden, zurückbringen oder sich bekehren. Die Grundbedeutung ist: Nachdem man sich in die eine Richtung bewegt hat, bewegt man sich wieder in die entgegengesetzte Richtung, bis man zur ursprünglichen Stelle zurückkehrt. Das Wort kann je nach Zusammenhang auch für Wiederherstellung stehen. Es wird beispielsweise im Zusammenhang mit der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft oder der Wiederherstellung des Volkes im Land verwendet. Es geht also um UMKEHR.

Ging es nicht darum, dass David umkehrt? Doch hier bittet David Gott, dass etwas anderes umkehrt: die Freude. Das erinnert an die Geschichte in Lukas 15,11ff. Es ist nicht nur der Sohn, der zurückkehrt an den Ort, von dem er losgelaufen ist. Es ist auch der Vater, der ihm mit offenen Armen entgegenkommt. Der Sohn kehrt um, aber die Freude erwartet ihn bereits. Umkehr bedeutet also nicht nur, etwas hinter sich zu lassen, sondern auch, etwas wiederzufinden. Die Freude, die einmal am Anfang deiner Beziehung zu Gott stand.

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2. Die Freude deines Heils

Man könnte sich an allem Möglichen freuen. David könnte auch sagen: Herr, gib mir Freude an einer Million Franken. Gib mir Freude an einer schönen Frau oder einem schönen Mann. Gib mir Freude durch eine einflussreiche Position. Gib mir Freude durch eine Flasche Alkohol. Aber es ist nicht irgendeine Freude, die zu David zurückkehren soll. Nein, er will sich an Gottes Rettung freuen. Matthäus 13,44 beschreibt gut, wie eine solche Freude aussieht:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besass, und dafür den Acker kaufte.

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Was ist nun der Schatz? Es ist das Himmelreich, die Gemeinschaft mit Gott. Der Mann verkauft alles, nicht weil er muss, sondern weil er etwas gefunden hat, das ihm mehr wert ist als alles andere. Seine Freude verändert seine Prioritäten. Und vielleicht liegt genau darin ein Geheimnis der Umkehr. Wir stellen uns Busse oft so vor, dass wir zuerst auf alles Mögliche verzichten müssen, um dann irgendwann wieder Freude zu finden. Doch in diesem Gleichnis ist es gerade umgekehrt: Die Freude über den gefundenen Schatz macht den Verzicht überhaupt erst möglich.

Busse bedeutet nicht nur, sich vom Falschen abzuwenden, sondern sich dem zuzuwenden, der uns wirklich erfüllt. David bittet nicht einfach darum, wieder ein besserer Mensch zu werden. Er will die Freude an Gottes Rettung wiederfinden.

3. ... und stütze mich mit einem willigen Geist

Doch damit bleibt eine Schwierigkeit: Was, wenn ich diese Freude gerade nicht empfinde? Wenn ich umkehren möchte, aber merke, dass mir selbst dazu der Wille fehlt?

Paulus beschreibt in Römer 7,19–25 dieses Spannungsfeld:

Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Böse, das ich nicht tun will. [...] Ich unglückseliger Mensch! Mein ganzes Dasein ist dem Tod verfallen. wird mich denn niemand aus diesem elenden Zustand befreien? Doch! Und dafür danke ich Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Genau darum bittet David: «Stütze mich mit einem willigen Geist.» Man könnte auch sagen: «Mach mich willig. Hilf meinem Unglauben. Hilf meiner Freudlosigkeit.» David weiss, dass er nicht nur Vergebung braucht. Er braucht Gott selbst, um überhaupt wieder mit ganzem Herzen zu ihm zurückzukehren.

Das Einprägsamste, was ich über Gottes Gnade gelernt habe, ist, dass sie nicht in erster Linie eine Bewegung ist, die ich zu ihm mache, sondern eine Bewegung, die er zu mir gemacht hat. Vielleicht hast du das Gefühl, dass Umkehr vor allem eine Bewegung ist, die du machen musst. Doch umzukehren bedeutet zunächst einmal, dich umzudrehen.

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Denn am Ursprung deines Glaubens stand nicht deine Entscheidung für Gott, sondern seine Zuwendung zu dir. Wie Jesus in Johannes 6,44 sagt:

Niemand kann von sich selbst aus zu mir kommen. Der Vater, der mich gesandt hat, muss ihn zu mir ziehen. Und wer zu mir kommt, den werde ich an jenem letzten Tag auferwecken.

Gott hat sich dir zugeneigt, bevor du dich ihm zugewandt hast. Er hat dich bereits gesehen, als du ihn noch nicht gesehen hast. Er hat deine Hand genommen. Er ist dir nah. Seine Liebe war schon da, bevor du sie erwidern konntest.

Das verändert auch unseren Blick auf die Freude. In Nehemia 8,10 heisst es: «Die Freude am HERRN ist eure Stärke.» Im Hebräischen steht wörtlich «die Freude des HERRN». Darin lässt sich nicht nur unsere Freude an Gott erkennen, sondern auch die Freude, die von ihm ausgeht.

Freudige Umkehr beginnt also nicht bei der Frage, ob du genug Reue empfindest, genug Kraft hast oder genug Freude aufbringen kannst. Sondern bei der Erkenntnis, dass Gott voll Freude bereits auf dich gewartet hat.

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