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Wir schau'n auf den Sohn

Sara Schneiter Sara Schneiter

Was hilft, wenn das Leben uns hart trifft? Welche Strategien helfen uns durch solche Zeiten hindurch?

Das Leben ist wunderschön, leuchtend in all seinen Farben. Ein Spaziergang in der Natur reicht aus und ich komme ins Staunen über die Schönheit der Schöpfung. Mein Herz überfliesst mit Lobgesang für den kreativen Gott, der all das gemacht hat.

Das Leben ist anstrengend, bringt uns an unsere Grenzen und phasenweise darüber hinaus. Es fordert und prägt uns. Ich denke da zum Beispiel an die Kleinkindphase im Leben frischgebackener Eltern, die mehr und anders fordert, als gedacht. Die einen ans Limit bringt, die man vielleicht auch gerne überspringen, oder, gewisse Facetten davon, auslassen würde. Es drängt mich in Gottes Nähe, wenn ich an meine Grenzen komme. Bei ihm suche ich Rat und Zuflucht.

Und dann gibt es diese Momente, in denen es uns kalt erwischt. Ohne Vorwarnung blicken wir ins Gesicht einer hässlichen Fratze: Dinge, die Gott ursprünglich so nicht vorgesehen hatte. Dinge, die das Leben in einer gefallenen Schöpfung mit sich bringen: Schicksalsschläge. Leidenszeiten. Verlust. Tod.

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Photo by Markus Kammermann / Unsplash

Wie kann ich solche Zeiten überstehen? Wie soll ich mit solchen Zeiten umgehen? Was für Coping - oder in Deutsch - Bewältigungsstrategien greifen in Extremsituationen? Was hilft, wenn wir Komfort- und Wachstumszone weit überschritten haben?

Klagen

Mich hat kürzlich eine solche Nachricht unvorbereitet getroffen. Der Schock sass tief und hat mich blockiert. Im ersten Moment konnte ich kaum beten. Ich wusste wohl, ich darf und soll mit allem zu Jesus kommen. Doch ich hatte keine Worte. Ich sass nur da, wenn ich mir Zeit nahm bei Jesus zu sein. Über Tage ging das so. Nach einer gewissen Zeit liess der Schock nach.
Und dann kam die Trauer und die Wut. Doch letztere wollte ich nicht wahrhaben. Erst als ich im Morgengebet eine ganze Stunde mitbetete und mit andern zusammen einfach vor Gott sein konnte, entdeckte ich die Wut in meinem Herzen. Ich brachte sie vor Jesus. Nur er kann mich davon befreien und genau das nervte mich. Doch da waren wieder Worte, Gebete, die ich ihm bringen konnte und wir kamen wieder ins Gespräch. Die Blockade löste sich dadurch, dass ich verbalisieren konnte, wie es mir geht.
Und während ich diesen Text verfasse, ereilt mich die nächste Nachricht und es fühlt sich taub an in mir.

Jede Krise ist eine Einladung Gottes, ihm nahe zu kommen.
Tyler Staton

Sei sanft zu deiner Seele

Da waren auch starke, körperliche Symptome, die mir zeigten, dass ich eine zu schwere Last trug. Ich vergass richtig zu atmen, da war sehr viel Druck und Spannung in mir. Verzweifelt suchte ich nach einem Ventil, um das alles raus zu lassen. Ablenkung funktionierte nicht, Sport nur bedingt, die Gefühle kamen nicht raus. Es war schliesslich die Verabschiedung und ein Satz meiner Osteopathie Therapeutin, die in mir nachhallten und durch die der Heilige Geist mich auf einen besonderen Weg führte: Er sagte, ich soll sanft zu mir selbst sein.
Am nächsten Tag nahm ich mir vor am Morgen nur Dinge zu tun, die mir wohltun und mir Freude bereiten. Ich bekam den Impuls - trotz viel Widerstand meiner Seele - in den Wald zu gehen. Ich wollte laufen, doch meine Seele sagte: "Vergiss es!" "Du kannst mich heute nicht pushen." Also ging ich ganz gemütlich los. Ich pushte mich nicht. Ich entschied mich auf den Heiligen Geist zu hören und sanft zu sein zu meiner Seele. Irgendwann fing ich sogar an zu meiner Seele zu sprechen. Nahm sie an die Hand. Als ich oben im Wald war, joggte ich ganz langsam los. Es ging gut. Ich rannte weiter. Meine Runde wurde an diesem Morgen durch spontane Impulse länger als sonst, immer noch ohne mich zu pushen. Und dann kam plötzlich Freude auf. Eine unbegründete, tiefe Freude erfasste mich.

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Photo by Jeremy Bishop / Unsplash

In diesem Moment klickte etwas in mir, seither sind die Anzeichen, die ich hatte verschwunden und bisher nicht wiedergekehrt. Ich möchte weiterhin sanft sein zu meiner Seele.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Jesus

Richte deinen Blick auf Jesus

Dann ist da dieser Song, der mich nicht mehr in Ruhe lässt. Der mich täglich erinnert, meinen Blick auf Jesus, den Retter, zu richten.

Und es erinnert mich an die Geschichte im Alten Testament, als Mose eine Schlange aufrichten musste und jeder, der seinen Blick auf diese Schlange richtete, wurde von den tödlichen Bissen der Schlangen um sie herum geheilt.

Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

  1. Mose 21.8-9

Diese Geschichte ist ein Bild auf Jesus, der ebenfalls am Kreuz erhöht aufgerichtet war. Und wer heute seinen Blick auf ihn richtet, verliert einerseits die Umstände aus dem Fokus und erkennt andererseits, dass Jesus das grösste aller Leiden bereits durchlebt hat. Da ist Empathie, Erbarmen, Mitgefühl in seinem Blick. Und da ist Hoffnung, denn Jesus hat nicht umsonst gelitten. Sein Leid wurde in den grössten Sieg aller Zeiten verwandelt. Er hat alle Sünde, Krankheit getragen, ja sogar den Tod überwunden. Wenn jemand uns in leidvollen Zeiten verstehen kann, dann Jesus. Wenn jemand uns helfen kann da durchzukommen, dann Jesus.

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Photo by Evgeni Tcherkasski / Unsplash

Bleib nicht allein

Extremsituationen, wo uns die Worte ausgehen, wir überfordert sind, treiben uns gern in die Isolation. Ich zumindest möchte gern erst wieder klarkommen, bevor ich mich mit jemandem treffe. Dann habe ich keine Lust auf viele Menschen, möchte lieber alleine sein. Doch habe ich diesen Sommer erlebt, wie wohltuend es sein kann, wenn ich mich trotzdem aufmache und mich in die Gemeinschaft liebender Menschen begebe. Da haben auch mein Schmerz und meine Fragen Platz. Und in der Gemeinschaft ist Heilung verborgen.

Sich mitteilen zu können ist gerade in Krisen essentiell. Denn wer alles in sich drin behalten muss, kommt zu Schaden. Da sind die körperlichen Alarmsignale nicht mehr weit. Deshalb, lasst uns keine Angst haben, einander unseren Schmerz zuzumuten und lasst uns keine Angst haben, den Schmerz des andern zu sehen. Lasst uns in liebevoller Gemeinschaft für einander da sein. Ohne Antworten zu haben. Ohne Erwartungen. Einfach für einander da sein. Da sein.

Mach dich auf, bleib nicht allein.

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Photo by Red Zeppelin / Unsplash

Wir schau'n auf den Sohn
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