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Betäubendes Oster-Gedöns?

Emanuel Hunziker Emanuel Hunziker

Wurde Ostern von den Christen erfunden, um unsere Angst vor dem Tod mit einem wohlig warmen Hoffnungs-Gefühl zu betäuben? Diese Auffassung ist nicht neu.

Befreier oder Verführer?

«Religion ist das Opium des Volkes!» schrieb Karl Marx. «Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist.» Marx war ein Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker des Kapitalismus und der Religion. Er suchte nach einem Weg, um die Missstände seiner Zeit zu überwinden und eine Welt zu erdenken, in der Menschen aufblühen können.

Schon viele haben versucht, eine bessere Welt zu erdenken und ihre Gedanken in Tat umgesetzt. Nicht selten werden sogenannte Befreier oder ihre Nachfolger durch den Erfolg ihrer Ideen selbst zu Diktatoren und Tyrannen. Auch Christen sind davon nicht ausgenommen, denn in jedem von uns schlummert der Traum von Macht und Einfluss.

Hand aufs Herz: Wer von uns hat nicht schon einmal den Gedanken gedacht oder die Worte geäussert: "Wenn meine Mitmenschen so leben würde wie ich, dann wäre die Welt eine bessere!" Warum sollte dieser Jesus anders sein, als der Rest der Menschheit?

Anders gefragt: Ist Jesus wirklich so besonders, wie wir Christen behaupten? Oder ist er im Kiosk der Weltanschauungen und Religionen einfach eine von vielen Alternativen, nebst Nietzsche, Marx, Ghandi, Buddha und Mohammed? Ist Jesus vielleicht sogar die durchtriebenste und verführerischste Figur unter allen, die Heil und Erlösung versprechen?

Jesus ist entweder der, der er sagt, dass er es ist. Oder er ist der übelste Verführer aller Zeiten! (Bono, U2)

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Photo by Thomas Schütze / Unsplash

Alles nur Geschwätz?

In der Debatte über die Person Jesus von Nazareth wurde in den letzten zwei Jahrhunderten viel geforscht und es besteht unter den Historikern weitgehend die Erkenntnis: Jesus gabs wirklich, er ist eine historische Person. Seine Existenz ist auch ausserhalb der Bibel gut belegt. So auch sein Tod am Kreuz.

Dass er von den Toten auferstand, glaubten zu Beginn nicht einmal seine treusten Anhänger. Nachdem einige Frauen das Grab Jesu leer vorgefunden und ihnen zwei Engel die Botschaft von der Auferstehung ihres Meisters überbracht hatten, erzählten sie den Aposteln davon. «Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht» (Lukas 24, 11), berichtet der Evangelist Lukas.

Die Hohepriester wurden von den römischen Soldaten über das leere Grab informiert. Die jüdischen Ältesten beschlossen daraufhin, die Soldaten mit einer hohen Geldsumme zu bestechen und säten so das Gerücht, die Jünger hätten den Leichnam Jesu aus dem Grab gestohlen, um die Lüge von Auferstehung in die Welt zu setzen (Matthäus. 28, 11–15)

Halluzinierende Jünger?

Dass die Jünger den Leichnam gestohlen haben sollten, griff der Bibelkritiker Reimarus im 18. Jahrhundert aufgriff, weswegen er den Jüngern Betrug unterstellte.

Nicht für mutwilligen Betrug, sondern für die Folge von Visionen der verstörten Jünger hielt im 19. Jahrhundert der Philosoph und Theologe David Friedrich Strauss den Osterglauben. Die Anhänger Jesu hätten so den Tod ihres Herrn bewältigt. Ereignet habe sich nur etwas in den Seelen der trauernden Jünger.

Sie waren so schockiert, dass sie halluzinierten. Ihre Visionen verkauften sie später als Tatsachen. Die These passt hervorragend in ein wissenschaftliches Weltbild. Wenn Naturwissenschaftler versuchen, die Auferstehung Jesu in ein modernes Weltbild einzuordnen, fällt seine Antwort naturwissenschaftlich aus. Was aber, wenn diese Wissenschaften für das Problem gar nicht zuständig wären?

  • Wollen wir wissen, warum ein Roman spannend ist, werden wir niemanden beauftragen, die Menge der verbrauchten Tinte und ihre Anordnung auf den Buchseiten zu analysieren.
  • Wer sich für die Schönheit eines Bildes interessiert, fragt nicht, ob Naturgesetze durchbrochen werden.

Nina Streeck fragt sich in ihrem NZZ Artikel über die Auferstehung von Jesus zurecht: Warum sollten wir Historiker und Naturwissenschaftler fragen, wenn wir etwas über die Auferstehung erfahren möchten? Geben nur sie uns Auskunft darüber, wie wir uns und unsere Welt verstehen können?

Wer das meint, hat eine Vorentscheidung getroffen: Wir müssen Gott ausklammern, wenn wir dem wissenschaftlichen Denken genügen und unsere Überzeugungen in der heutigen Welt vernünftig vertreten wollen. Diese Vorentscheidung kann man treffen – und sich damit selbst Grenzen setzen, dem christlichen Glauben an die Auferstehung auf die Spur zu kommen. Für den Christen fängt das interessante Fragen erst an, sobald er zulässt, dass von Gott geredet wird.

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Photo by Thomas Schütze / Unsplash

Denkmuster sprengen

In der Bibel, der mit Abstand bestbelegten Schrift der Antike, hält Paulus fest, dass Jesus "mehr als fünfhundert Brüdern zugleich" erschien "die meisten von ihnen sind noch am Leben." (1.Korinther 15,6) Auch Paulus hielt die Auferstehung von Jesus anfänglich für eine Gotteslästerung und verfolgte alle Juden, die das behaupteten und warf sie ins Gefängnis.

Paulus nennt einen spannenden Grund, warum wir Menschen Mühe haben, die Botschaft Karfreitag und Ostern zu akzeptieren:

Die Juden wollen Wunder sehen, die Griechen fordern kluge Argumente. Wir jedoch verkünden Christus, den gekreuzigten Messias. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die anderen Völker völliger Unsinn. Für die hingegen, die Gott berufen hat, Juden wie Nichtjuden, erweist sich Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn hinter dem scheinbar so widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit, die alle menschliche Weisheit übertrifft; Gottes vermeintliche Ohnmacht stellt alle menschliche Stärke in den Schatten.

Mit anderen Worten: Wir sehen die Welt nicht wie sie ist, sondern wie wir sind. Gemäss unserer Prägung, unserem gefestigten Weltbild. Wir treten alle mit vorgefertigten Rahmen und Schemen an die Welt heran. Paulus kommt auch aus eigener Erfahrung zum Schluss: Gott gefällt es, unsere Denkmuster zu sprengen!


Falls du dich für Fakten zur Auferstehung interessierst, empfehle ich dir folgendes Video:

Betäubendes Oster-Gedöns?
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